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Auf ein Telefonat mit LeFloid

Copyright: www.svensonpictures.com

LeFloid: „Grobe Missverhältnisse können zu einem wertvollen Ruck führen, wie wir gerade erleben.“

Generationen reifen. Sie werden groß. Lernen, indem sie auf die Fresse fallen und wieder aufstehen. Erwachsen werden; manchmal danach weise Entscheidungen treffen. Über Dekaden schon. Jahrhunderte. Vielleicht ist es ein evolutionärer Kick, der sie durchfährt. Darwin hätte seine Freude, sie zu analysieren.

Der Kick befördert allerdings so manche vermeintliche Generationsklientel über die Wupper. Dabei bleibt oftmals kein Auge trocken. Denn er macht keinen Halt. Nicht vor den Intelligenzbolzen, die Generationen anführen. Nicht vor den Dumpfbacken, die hinterherhinken. Der Kick ist gnadenlos und lässt auch die Außenbetrachter im Walde stehen.

So ähnlich geht es wohl gerade der YouTube-Szene und der von außen betrachtenden Szene-Expertise, die sich zu unterschiedlichen Kommentaren hinreißen lässt. Gründe werden viele genannt. Missverhältnisse von Mensch zu Mensch zum Beispiel. Diskutiert wird am laufenden Bande. Es werden Meinungen hin und her geschubst. Hassstürme, basierend auf dem berühmten Chauffeurs-Wissen, ausgelöst und an der einen oder anderen Stelle Karten gelegt. Habe gehört, es werden Wetten angenommen. Weil ja die vermeintlichen Experten wüssten, wohin die Reisekoffer geschickt werden. Nur: der dazugehörige Reisende weiß noch nichts von seinem Ziel.

Als heroischer Nichtwisser weiß ich aber, dass ich mal mit einem Vertreter so einer Generation sprechen könnte. Einem, der zu Deutschlands führender YouTube-Elite gehört. Und das ist kein Gesäusel, denn, und das ist meine Meinung, er gehört wirklich zu denen, die wissen, was sie tun. Seine Beiträge sind die politische Bildung unserer Kinder (wie ich gerade von dem Kollegen Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach hörte). Seine Ernsthaftigkeit macht Spaß und füllt die Lücken, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk hinterlässt, wenn er seinem Auftrag der Bildung von Wissen und Meinung nachkommen will.

Ich telefonierte also mit LeFloid.

Ich: Florian, da ist gerade so viel in Aufruhr draußen. Auch die Welt von YouTube, inklusive den Anhängern. Bewegt sie Dich nach Simon Unge genauso?

LeFloid: Das ist eine gute Frage, ob sich eine Szene, die sich so rasant entwickelt, auch in verschiedene Richtungen, tatsächlich in die Richtung von einer Person bewegt. Simons Aktion hat schon für einen gesunden Aufschrei gesorgt hat.

Ich: Und wie berührt Dich das nun als jemand, der ebenso seinen Vertrag bei Mediakraft gekündigt hat?

LeFloid: Ich ziehe meinen Hut vor dem Mut von Simon. Und ich weiß auch, was es heißen würde, zwei YouTube-Kanäle so einfach aufzugeben. Bei mir war es so: meine Zeit war da. Mein Kündigungszeitraum lief an und ich hatte auch kein Interesse, am Ende schmutzige Wäsche zu waschen. Darum habe ich die Frist wahrgenommen und bin ausgetreten. Bei Simon lief ja der Vertrag noch Ewigkeiten und er hat sich dennoch zu dem drastischen Schritt entschieden. Vielleicht tut dieser Schritt gar nicht mal so schlecht. Eher gut. Es zeigt auch, dass die Szene nicht von den Netzwerken bestimmt werden sollte. Sondern eben von den Kreativen. Sie sind die Macher, die Inhalte produzieren und dafür verantwortlich sind. Und daraus entstand nun eine schöne Diskussion: Was ist ein Netzwerk eigentlich? Ist es ein elitärer Schuppen, für den ich arbeiten muss, und ich dankbar sein muss, drin zu sein? Nein, das ist es nicht. Ein Netzwerk ist ein Dienstleister. Und wenn man mit dem zufrieden ist, dann muss man den auch nicht wechseln oder verlassen. Anderenfalls ist es keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Und ich finde, das sollten Netzwerke sein. Partner und Dienstleister. Grobe Missverhältnisse können zu einem wertvollen Ruck führen, wie wir gerade erleben.

Ich: Das ist eine klare Botschaft. Der Trend, dass sich YouTube-Stars aus den Netzwerken verabschieden, wird sich wohl fortsetzen? Frage…

LeFloid: Ich denke, es wird künftig Leute geben, die gerade, wenn sie vor einem Entschluss stehen, in ein Netzwerk zu gehen, oder wenn sie Reichweite haben, einfach ein zweites Mal darüber nachdenken. Sie lassen sich mit Sicherheit einen Vertrag gegenlesen. Es wird klarere Kommunikation geben. Auch die Vertragslaufzeit, die YouTuber an ein Netzwerk binden, wird kürzer. Das ist in einer schnelllebigen Branche wie dieser völlig obsolet. Wenn ein Netzwerk gute Arbeit macht, dann hat man eben auch keinen Grund, nach einem Jahresvertrag wegzugehen.

Ich: Ein Kollege sagte mir, dass sein Sohn seine politische Aufklärung und Bildung unter anderem durch Deine Sendung hat. Er zieht sich alles von Dir rein. Was ich sehr beeindruckend finde und für mich klar zeigt: Du übernimmst so etwas wie eine Aufklärungsrolle der jungen Generation. Wird die Zunft der YouTuber eine meinungsbildende Rolle in der Gesellschaft übernehmen können?

LeFloid: Vielleicht. Das ist jedoch eine Prognose, die ich nicht zu geben vermag. Für meinen Fall habe ich festgestellt, und warum ich es mache, wie ich es mache: es ist nicht nur, weil es mir großen Spaß macht. Sondern weil ich für mich entschieden habe, etwas anders zu machen. Wenn die Leute sagen, die Jugendlichen sind nicht interessiert am Weltgeschehen, dann sehe ich das völlig anders. Die Jugendlichen sind einfach übersättigt, was das Konsumieren angeht. Eine Tagesschau oder RTL News drückt Dir für zwanzig bis vierzig Informationen emotionslos rein in fünfzehn Minuten und danach geht der nächste Spielfilm los. Die sind nicht gezwungen, sich damit in irgendeiner Weise auseinander zu setzen. Stattdessen hast Du auf YouTube ein soziales Netzwerk. Die Leute können partizipieren. Es spielt immer eine Rolle, wo man sie abholt. Sie können mit Dir diskutieren, Du kannst ihnen auch gegens Schienbein treten. Du kannst sie bekräftigen. Dann fühlen sie sich angesprochen und können mit ihrer Meinung teilhaben. Damit wird Interaktion wieder notwendiger als das bloße Konsumieren.

Ich: Jetzt sind ja auch einige Öffentlich-rechtliche wie WDR und MDR auf YouTube. Ist das nur ein erster Schritt oder haben sie es immer noch nicht verstanden? Denn an sich geht es ja nun mehr um Engagement, als eine schöne Sendung machen.

LeFloid: Es kommt drauf an, wie sie arbeiten und mit wem sie arbeiten. Ich glaube, dass ihre Zugehörigkeit zu den Öffentlich-rechtlichen nicht im Wege steht und sie darum keinen geilen Scheiß online machen können. Aber dann ist es vielleicht auch notwendig, mal die Leute zu fragen, die davon Ahnung haben. Davon gibt es ja mittlerweile auch eine ganze Menge. Und dann kann man da auch was Anständiges auf die Beine stellen. Das ist eben auch interessant für die Medien. Das ist auch wieder eine Form von Horizonterweiterung.

Ich: Und wie ist es bei den YouTubern? Die werden auch irgendwann erwachsen und die Zuschauer ebenso. Heißt also, dass wir dann bald gar kein klassisches Fernsehen mehr brauchen, weil die Zuschauer es gewohnt sind, zu interagieren.

LeFloid: Ja, es wird sich auch tatsächlich verändern. Ich glaube, es wird dann sehr viele Interaktionsformate geben. Genauso, wie sich das Fernsehen darauf einstellen muss, dass es mir nicht mehr vorschreiben kann, wann ich was schaue. Ich bin zum Beispiel ein reiner Video-On-Demand-Zuschauer geworden. Weil ich es mir selbst einteilen kann. Früher oder später wird die Technik in der Lage sein wird, in jedem Lebensbereich eine Feedback- und Kommentarfunktion anzubieten. Ich glaube, das lässt nicht lange auf sich warten. Kann man dann mit Sicherheit auch im TV-Bereich anbieten. Nur: ob man es will und man es riskiert, das liegt ja dann bei den jeweiligen Verantwortlichen.

Ich: Nach Medienkraft habt Ihr ja jetzt ein eigenes Netzwerk gegründet…

LeFloid: Nein, wir haben einen Verein gegründet. Einen ganz klassischen, eingetragenen Verein. Weil wir netzwerken wollen. Und wir wollen jedem Mitglied die Möglichkeit bieten, in das Netzwerk zu gehen, was zu ihm passt. Aber auch Netzwerk übergreifend etwas zu machen. Wirklich klassisch ohne Korsett und unbürokratisch. Das haben wir bei der Vereinsgründung auch namentlich unkenntlich gemacht – Netzwerk. Um klar zu machen, dass wir kein Gewinn orientiertes Unternehmen sind, was mal verkauft wird oder was von seinen Mitgliedern irgendwelche Beiträge verlangt. Aktuell sind wir noch in der Gründungs- und Organisationsphase.

Ich: Eine komplett andere Denke. Vor allem, was die Wirtschaftlichkeit anbelangt. Denn es stellt sich doch irgendwann die Frage, wie die Mitglieder des Netzwerks damit Geld verdient, oder?

LeFloid: Klar, als Vereinsmitglied bei 301+ e.V. kann ich mich auch individuell vermarkten und orientieren. Da sind dem einzelnen keine Grenzen gesetzt.

Ich: Das heißt, auch die Zusammenarbeit mit werbungtreibende Unternehmen wäre noch eine Option.

LeFloid: Genau.

Ich: Ja, Vielen Dank!

LeFloid: Nicht dafür!

Ich schaltete die Tagesschau aus und LeFloid ein.

2 Comments

    • flocke_hh flocke_hh

      🙂

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