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Auf einen kurzen Chat mit Barbara.

Barbara.

Barbara.: „An Heilige glaube ich nicht.“

Ich fühle mich unwohl. Wenn ich durch die Digitalwelt streife, das klassische Medium nutze, die Menschen in meinem Umfeld beobachte (auch außerhalb meiner Filterblase). Ich fühle mich nicht wohl, weil mein Verstand überfordert wird. Jeden Tag. Mit der Verarbeitung der drölfmillionen inszenierten Richtigkeiten, die jeder Absender für sich und andere erhebt.

Da wissen 20 Leute noch immer bessere Argumente, warum Hamburg gegen Olympia war und welchen Weltuntergang die Perle im Norden nun erleiden wird. Es gibt einen Clip von openDemocracy und sofort hat ein Mensch selten „so viele, gut begründete Wahrheiten in knapp 10 Minuten gelesen/gehört“. Da bestrafen Menschen andere für ihre Sichtweisen, noch während sie sich umdrehen und ihre eigenen Worte verdrehen. Menschen verbieten Menschen, sich in unorthodoxen Wegen mit dem Tod auseinanderzusetzen.

Es heucheln Heuchler; es verfechten Antikapitalisten das Wirtschaften, während sie in ihrem Smartphone die Entwicklung ihrer Aktienpakete verfolgen; Menschen bezeichnen die Medien als Lügenpresse, während sie im Verborgenen die BILD Zeitung lesen; Menschen verwenden eine Religion, missbrauchen einen Glauben, um andere zu bestrafen.

Mein Kopf dreht sich. Ich drehe mich mit ihnen. Auch ich bin ein Heuchler. Ich messe meinen Tag mit einem Doppelmorallineal. Ich bilde mir ein, ich alleine sei auf dem rechten Pfad. Wie so manch anderer in seinem Kopf. Gespinste sind die einzigen Wahrheiten.

Einst nahm ich mir vor, den vermeintlichen Meinungen mal gehörig die Meinung zu geigen. Zwecklos. Ich blieb still. Ich bin ein niemand, der von niemandem gehört würde. Und das ist auch gut so.

Es gibt andere, die haben auch eine Meinung, die sich mit meiner deckt. Und sie haben einen aufmerksamkeitsstarken Weg gefunden, diese wirkungsvoll zu platzieren. So wie die/der Streetart-Künstler/-in Barbara.

Sie/er ist ein Mensch der Anonymität. Und darum chatteten wir.

Ich: Machst Du noch Streetart oder erziehst Du die Mitmenschen schon?

Barbara: Ich möchte niemanden erziehen, ich teile nur meine Meinung mit.

Ich: Warum arbeitest Du in der Anonymität?

Barbara: Ich möchte, dass meine Arbeit unabhängig von meiner Person betrachtet wird, außerdem schütze ich mein Privatleben.

Ich: Wie groß ist die Wirkung Deiner Arbeiten? Vor allem, wenn Du aktuelle Debatten spiegelst?

Barbara: Das kann ich ganz schwer beurteilen, ich denke, dass eine große Erwartungshaltung an eine Wirkung meiner Arbeit übertrieben wäre. Ich bin lediglich eine Stimme von vielen, die sich kritisch und künstlerisch mit der Gesellschaft auseinandersetzt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich: Wie entwickelst Du Deine Arbeiten, respektive: wie arbeitest Du?

Barbara: Ich laufe mit offenen Augen durch die Welt und wenn ich etwas entdecke, zu dem mir etwas einfällt, dann werde ich aktiv. Laptop, Gehirnschmalz, Papier und Kleber und einen Copyshop, mehr brauche ich nicht.

Ich: Und wie kam die Idee, unter dem Namen Barbara mit Streetart dem Bewusstsein der Leute ein Bein zu stellen?

Barbara: Ich hinterlasse seit meiner Kindheit Botschaften im öffentlichen Raum. „Barbara“ schreibe ich seit Anfang 2014 unter die Botschaften und veröffentliche Fotos davon in den sozialen Netzwerken.

Ich: Barbara – warum gerade der Name? Die heilige Barbara, Beschützerin jedes Streetart-Künstlers?

Barbara: Weil ich Barbara bin. An Heilige glaube ich nicht.

Ich: Können wir alle Barbara sein? Welche Sichtweise bräuchten wir?

Barbara: Ich finde jede/r kann und soll das sein, was er oder sie sein möchte. Jeder Tipp meinerseits wäre eine Anmaßung, denn meine Sichtweise hat nur für mich Gültigkeit.

Ich: Welche Parallelen, glaubst Du, sehen Menschen in Deiner Arbeit und der von anderen bekannten Menschen Deiner Zunft wie Banksy?

Barbara: Keine Ahnung, die offensichtlichste Parallele ist die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum. Banksy ist ein Vorreiter und die bekannteste Figur in der Szene, aber es gibt unendlich viele Künstler, die dieses Feld beackern.

Ich: Gibt es ein übergeordnetes Ziel Deiner Arbeit?

Barbara: Mein wichtigstes Ziel ist es, meine Ideen umzusetzen ohne dabei Sachschaden anzurichten oder Menschen persönlich zu beleidigen und mir die Freude an meiner Arbeit zu erhalten.

Ich: Wenn es nicht Streetart geworden wäre, wie würdest Du Dich dann kritisch mit der Gesellschaft und ihren Regeln auseinandersetzen?

Barbara: Wenn es irgendein verbotenes Zauberkraut geben würde, dass man rauchen kann, dann würde ich es rauchen oder auch nicht, unabhängig davon ob es verboten ist. Solange ich keinem damit schade.

Ich: In welchen Städten veränderst Du das Stadtbild hauptsächlich? Ich gestehe – ich habe Dich noch nie in Hamburg gesehen…

Barbara: Meistens in Berlin, aber auch in Heidelberg und Mannheim. Jedoch bin ich sehr viel in unterschiedlichen Städten unterwegs und ich hinterlasse meine Botschaften überall. Hamburg wird eines meiner nächsten Ziele sein.

Ich glaube, ich werde eine Barbara.

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