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Auf einer Fähre mit der Social Media Week Hamburg

Sabine Ewald: „Man darf nicht vergessen, dass Social Media nicht die gesamte Gesellschaft abbildet!“

Es ist unser zweites Zuhause, eine weitere Wirkungsstätte für Leben und Arbeit, eine Selbstverwirklichungsmaschine, ein Schmelztiegel der Ideen und Kreativitäten, ein Kaufhaus, ein Café für Klatsch und Tratsch, ein Ort für Demonstrationen, manchmal auch Gefängnis, gar goldener Käfig: das soziale Internet, in Fachkreisen besser bekannt als Social Media.

Mittlerweile durchdringt das Zeug unser Menschsein noch stärker als die Erfindung des Mobiltelefons. Es hat unsere Art, wie wir kommunizieren, noch viel gründlicher verändert als der kleine Kasten mit den Tasten (oder mit dem Display zum Wischen). Es bildet eigene Realitäten hinter der Realität. Wie ein Spinnennetz lassen wir uns alle von ihm miteinander verbinden. Glauben wir zumindest. Denn noch immer verwehren wir anderen den Zugang. Unabsichtlich absichtlich. Und dabei vergessen wir oft gerne, dass es nie vergisst. Beängstigend manchmal – ist noch untertrieben.

Nichts desto trotz mauserte sich die Bewegungssicherheit zu einer wesentlichen Charakterstärke des durchschnittlichen Arbeitnehmers. Ob Branchenaffektierte, Branchenferne oder nur Hobbybediener – es liegt in der Natur des Menschen, sich dem Mainstream zu öffnen und Dinge zu erlernen, die gefühlt die ganze Nation beherrscht. Dafür haben sich Konferenzen entwickelt, die von Jahr zu Jahr immer magnetisierender wirkten. Dort tauscht man sich aus, lernt neue Tricks oder beobachtet einfach nur. Spannend sind seine Knechte alle mal.

Eine dieser Konferenzen steht in Hamburg wieder vor der Tür und beschäftigt den Digitalstandort an der Elbe dann bereits zum dritten Mal: die Social Media Week Hamburg. Was nach Popcorn-Meet-Up von Profis und Experten für eben Solche klingt, ist ein offener Rahmen für alle. Und damit schließt man niemanden aus. Eine Woche lang an vielen zentralen Locations und ganz viele Themen. Von A-Z, von Nord nach Süd über West nach Ost. Die Stadt ist Social Media.

Und darum traf ich zwei Köpfe des Organisationsteams, nämlich Inken Meyer und Sabine Ewald, auf der Fähre 62 nach Finkenwerder. Ein schöner Ort im warmen Winter auf dem Deck für ein kurzes Gesicht-zu-Gesicht-Gespräch, ganz ohne digitale Vernetzung.

Ich: Sabine und Inken, schön, dass es geklappt hat. Hier an einem besonderen Ort, nämlich auf der Fähre 62, denn unser Gespräch dreht sich um die 3. Hamburger Social Media Week. Wann geht es los?

S. Ewald: Vom 17. Februar bis 21. Februar in ganz vielen Locations überall in Hamburg. Und wir können jetzt schon sagen: ganz viele, verschiedene, spannende, lehrreiche Veranstaltungen. Die Anmeldung zur Teilnahme startet am 15. Januar.

Ich: Das dritte Mal nun schon. Wie ist die erste Bilanz, bevor es wirklich startet?

I. Meyer: Wir haben einen viel besseren Vorlauf als die beiden Jahre zuvor. Schon alleine, weil wir mit den Partnern viel früher ins Gespräch kamen, da wir uns bereits kennen. In diesem Jahr konnten wir dadurch auch viel Neues hinzufügen, denn auch viele neue Leute sind auf uns zugekommen und haben Spannendes mit uns entwickelt. So haben wir mit einem Partner einen Internet-Trailer für die Social Media Week entwickelt und sind neue Kooperationen eingegangen.

S. Ewald: Ja, wir konnten eine Plakatkampagne entwickeln und zum Beispiel auch die Social Media Schnipseljagd als Tumblr einrichten. Das sind alles Ideen für die wir in diesem Jahr Zeit hatten, weil wir uns organisatorisch weiterentwickelt haben. Unser Fokus lag dabei auch auf eine große Vielfalt wie die Social Travel for Charity Aktion. Das ist eine Aktion, wo Björn Troch mit dem Fahrrad von Hamburg nach Kopenhagen radeln und dabei für jeden Kilometer Geld sammeln wird.

I. Meyer: Wir konnten auch feststellen, dass sich die Events vom ersten zum zweiten Jahr verdoppelt haben. Und eigentlich wollten wir es in diesem Jahr etwas dabei belassen – was uns nicht gelang, weil das Interesse so groß war. Nun sind es doch etwas mehr. Eine genaue Zahl gibt es noch nicht. Es wird aber eine schöne Mischung mit ein paar schönen Highlights, die wir noch kommunizieren werden. Es sind bereits viele Events online. Das Ende ist dabei noch nicht in Sicht.

Ich: Ihr tretet dabei auch thematisch neu strukturiert auf. Warum diese neue Ausrichtung?

S. Ewald: Die Menge an Events in so vielen unterschiedlichen Locations brauchte einfach eine bessere Struktur für die Teilnehmer. Sie werden sich nun besser zurecht finden und die Events nach eigenen Interessengebiet besser aussuchen können – ob bei Business-Themen oder Brand Communication oder Blogger Relations. Die Tagesthemen wirken wie Leitfäden und sorgen für eine bessere Orientierung. Am Mittwoch zum Beispiel haben wir einen Schwerpunkt zum Thema Karriere und Recruiting, wo wir eine eigens entwickelte Jobmesse starten. Dort können sich die Teilnehmer vernetzen und Unternehmen, Agenturen oder Vereine kennenlernen.

Ich: Also der persönliche Austausch ist immer noch sehr wichtig, obwohl wir uns ja um digitale Themen drehen.

I.Meyer: Ja. Wie es halt so ist. Einerseits lernst Du die Leute im Netz kennen und andererseits möchtest Du sie dann auch persönlich treffen. Und bei diesen Events kann man dann auch endlich mit realen Leuten über die einzelnen Themen direkt sprechen, sich mit ihnen austauschen und selbst Dinge lernen, für die man sich schon immer interessiert hat.

Ich: Wie vernetzt seid Ihr eigentlich mit den anderen Städten, die ebenfalls eine Social Media Week ausrichten?

I. Meyer: Wir haben einmal wöchentlich mit der Social Media Week New York, die das Ganze initiiert haben, eine „Town Hall“, also eine Video Conference. Sie geben uns auch den Support und die Guidelines vor. Mit den anderen Städten haben wir auch einen engen Austausch. Mit Kopenhagen planen wir zum Beispiel noch ein paar Sachen unter anderem eben die Charity Fahrradtour. Im September besuchten wir die Teams in Berlin und London.

S. Ewald: Und dabei entwickeln sich persönliche Beziehungen. So auch mit dem Team aus Lagos, das wir in London getroffen haben. Das ist echt super, weil man dann auch gemeinsam Panels starten kann, wie wir es in Kopenhagen in diesem Jahr machen. Wir können uns dadurch austauschen und helfen, wenn es irgendwo Fragen gibt. Es kommen auch Speaker aus anderen Städten zu uns und wir schicken welche in andere Städte. Also es gibt bereits Vernetzung und es wächst von Jahr zu Jahr weiter.

Ich: Muss sich die re:publica bald Sorgen machen, dass Ihr der Konferenz den Rang ablauft?

I. Meyer: Nein, überhaupt nicht. Wir haben ein ganz anderes Konzept und sind da eher befreundet unterwegs.

S. Ewald: Wir haben auch eine ganz andere Herangehensweise. Wir sind über eine ganze Woche weltweit in tausenden Locations verteilt. Die Social Media Week ist eine ganz andere Idee als die re:publica. Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile und sowieso eine eigene Herangehensweise. Und wir freuen uns vor allem darauf, dass wir in der Woche Platz für sehr viele verschiedene Themen haben und breiter aufgestellt sein können.

I. Meyer: Zudem sind wir auch nicht nur eine Fachkonferenz. Was wir sein wollen, ist eine Konferenz, die in der Stadt ankommt und nicht nur Magnet für Experten ist. Es geht tatsächlich darum, auch Leute heranzuholen und einzuladen, die noch keine Ahnung von Social Media haben. Die es dennoch sehr gerne kennenlernen wollen, also Umgang und Nutzen, und wissen wollen, wie das ganze Netz funktioniert. Darum bieten wir auch Weiterbildungsgeschichten und Kennlernrunden für Leute an, die noch nicht in dieser „Blase“ leben. In diesen Einsteigerkursen können eben auch Fragen gestellt werden wie: Was ist ein Blog? Wie setzt man so ein Ding auf und wie kann ich ihn öffentlich zugänglich machen?

Ich: Gibt es für Euch eine Kontroverse an der Digitalwelt, respektive Entwicklung dort, wie wir sie gerade erfahren, die Euch nicht gefällt?

S. Ewald: Wir diskutieren solche Themen sehr häufig mit unserem Beirat. Ein Thema, was mir immer wieder zu denken gibt, ist, dass man nicht vergessen darf, dass Social Media nicht die gesamte Gesellschaft abbildet. Die Welt im Internet, in der man viel diskutiert und lebt, in der man Menschen erreichen möchte oder eben nicht erreicht. Und das sollte man sich bewusst machen. Heißt nicht, dass es keine Diskussion darüber, was Gesellschaft im Netz wirklich ist, geben soll. Jedoch gibt es darüber hinaus immer noch einen großen Teil Menschen, die am Leben im Netz, in den Social Media nicht teilnehmen können und von vielen Diskussionen ausgeschlossen werden. Ich fände es schön, wenn man sich dem öffnen würde und die digitale Gemeinschaft nicht weiter als elitäre Netzgemeinschaft behandelt.

Ich: Und was wünscht Ihr Euch dann für die Zukunft der Social Media Week?

S. Ewald: Weiter viele aktive und kreative Teilnehmer. Und weiterhin soviel Support aus der Stadt. Dass auch künftig so viele Leute auf uns zukommen mit tollen Ideen und wir weiter die Vision der Social Media Week verfolgen können. Mir persönlich ist es wichtig, auch in Zukunft das Programm gemeinsam zu entwickeln mit Themen, welche die Hamburger interessieren.

I. Meyer: Wir sind ja eine Konferenz, die aus der Stadt entsteht. Und alles basiert darauf, dass wir uns gegenseitig unterstützen, wenn wir die Social Media machen wollen. Wir arbeiten viel mit Freiwilligen zusammen, die auch keine Speaker Fee bekommen. Dafür ist es aber auch kostenlos für die Teilnehmer. Und dafür freuen wir uns immer wieder über Support, um tolle Dinge auf die Beine zu stellen. Und jede Menge Zuhörer, zahlreiche Teilnehmer – vor allem eben auch Leute, die zum ersten Mal Erfahrungen auf dem Gebiet sammeln.

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