Karoline Maselka
Geboren in 78, in Kiel am Leben, freiberufliche Grafik Designerin, aufstrebend mit KERNIDEE und überzeugte Anhängerin von stoffwechsel | Macht was draus! Hat die Erzählung “Zur Stunde” von A. Michael Bussek illustriert - schaut Ihr hier.
sw: Karoline, danke für Deine Interpretationen zur Erzählung ‘Zur Stunde’ von A. Michael Bussek. Du hast sie gelesen… Was geht einem im Kopf vor, wenn man so eine Geschichte für sich interpretieren will? km: Die Geschichte löst viele Bilder gleichzeitig aus. Zunächst sehe ich ganz nüchtern den Domplatz im Dunkeln. Es ist eine skurille Geschichte und doch ist sie realistisch. Jemand hat eine blöde Wette verloren und jetzt steht er da ganz nackt, spliterfaser nackt. Es folgen einige Begegnungen und Reaktionen – sind es nicht eher belanglose Reaktionen? Das passiert uns ja auch jeden Tag, vielleicht nicht so dramatisch, aber wir begegnen so vielen Menschen auf unterschiedliche Art und Weise. Manche Situationen bleiben in Erinnerung, viele vergessen wir wieder und etliche nehmen wir nicht mal bewusst wahr. Die Begegnungen ziehen an uns vorbei, wie ein Vogelschwarm…
sw: Wie hast Du Deinen Stil entwickelt? Er ist ja doch recht abstrakt und, wie ich finde, für jeden frei interpretierbar. km: Ich habe immer gerne mit dem Kuli gezeichnet. Einen Kugelschreiber hat man oft dabei, man kann damit überall unkompliziert schnelle, grobe Entwürfe machen. Es sind Notizen, die zum späteren Zeitpunkt weiter ausgeführt werden können, dann am liebsten mit Aquarellfarben. Die wässrige Konsistenz der Aquarelle hat meiner Meinung nach eine schöne Eigenschaft, sie verzerrt die Linien, es ergeben sich Flächen die man nicht immer kontrollieren kann. Auch mag ich unfertige, noch offene Skizzen. Von daher ziehe ich Arbeiten vor, die nicht ganz ausgearbeitet sind, die etwas Freiraum für die eigene Fantasie lassen.
sw: Hast Du schon des öfteren mal diese Art von Arbeit produziert? Illustrationen, die mit dem Text verschlungen werden? km: Nein, so oft habe ich es bisher nicht gemacht, aber wer weiß was hier noch alles passiert! Die Lust ist da, meistens scheitert es an der Zeit.
sw: Also könntest Du Dir vorstellen, das (kein weiteres) noch einmal durchzuziehen, oder? km: Diese Frage erübrigt sich – klar, kann ich mir das vorstellen!
sw: Eine letzte Frage: Welche Bedeutung hat das Buch für Dich in unserer heutigen Zeit? Welcher Seite schließt Du Dich an: pro oder kontra altes Medium? km: Ein Buch ist ein wichtiges Medien für mich und das sage ich nicht nur weil ich Grafikerin bin. Im Fernsehen zum Beispiel bekommen wir 25 Bilder bzw. 50 Halbbilder pro Sekunde gezeigt, abgesehen davon können wir uns zwischen den vielen Programmen noch kaum entscheiden. Im Internet werden wir auch mit wahnsinnig vielen Informationen versorgt. Im Hinblick auf unsere heutige Zeit verschafft uns das Buch dagegen etwas Raum für gewisse Ruhe. Wir können unser Lesetempo selbst bestimmen, um nur ein Vorzug zu erwähnen… definitiv pro „altes Medium“!
sw: Vielen Dank, Karoline! (23. Juli 2009)




