Einzigartig macht es

den Stolz des Autors,

die Kreativität des

Visualisten.

Es ist Materie,

mit aufeinander folgenden

Seiten, eine gerade

und eine ungerade

mit Rythmus.

Es steht im Regal,

es hat einen Einband

und Farbe.

Es vereint Sinnlichkeit

mit gedanklicher Reise

in ferne Welten.

ANONYMOUS

Er nennt sich ANONYMOUS. Das kann jeder sein. Viele Autoren tragen diese Bezeichnung. Sein Leben spielt sich im Hier und Jetzt ab. Er geht einer geregelten Arbeit nach, hat Familie und Freunde, bewegt sich im  Mittelstand. Nur eines mag er nicht: In der Öffentlichkeit stehen. Wir konnten ihn zu einem kurzen Gespräch begleitend zu seiner Geschichte ‘Schneeweiß & Rosentot’ bewegen. Aber der Name bleibt nur uns bekannt.

sw: ANONYMOUS, vielen Dank für Deine Teilnahme an stoffwechsel und vor allem Dein Vertrauen. Das ist ja, wenn ich Deinen Namen lese, nicht selbstverständlich. Warum anonym und gerade ANONYMOUS? Angst vor Entdeckung? a: ANONYMOUS, weil anonym. Liegt ja auf der Hand. Und das zieht ja auch die Furcht nach Entdeckung nach sich. Es ist in Ordnung so. Ich stelle mein Schreiben und die Ergebnisse in den Vordergrund. Das habe ich schon immer so gemacht. Daran wird sich nichts ändern.

sw: Deine Geschichte kann bei manchen Lesern Beklemmungen hervorrufen. Andere werden sich wohl leicht gereizt fühlen. Welche Geschichte steckt hinter der Geschichte? a: Im Grunde eine ganz Einfache. Ich halte Nick Cave für den größten musikalischen Geschichtenerzähler. Mit seinem Lied ‘They call me the wild rose’ gab er mir eine kreative Vorlage, die ich weitergedacht, also weitergeschrieben habe. Ich machte mich ans Werk, weil ich die Story des Textes gut fand. Mir liegt daran, den Protagonisten ein tieferes Profil zu verpassen. So gehe ich in all meinen Texten vor.

sw: Wo liegt die Ähnlichkeit zur Grimm´sche Geschichte ‘Schneeweiß und Rosenrot’ ? a: Es gibt keine. Es ist eher ein Wortspiel und fügt sich in den Handlungsrahmen der Geschichte. Schnell wird sicherlich klar, dass hier nicht Rosenrot sondern Rosentot gemeint ist. Vielleicht die tiefen Abgründe der Schönheit. Der interpretative Spielraum des Lesers bleibt bestehen. Übrigens gab es mal ein alternatives Ende. Das lasse ich aber mal außen vor, denn es würde die Geschichte in den falschen Kontext rücken.

sw: Welche Bilder hattest Du vor Augen, als Du sie schriebst? a: Als ich die Geschichte schrieb, verfolgten mich Bilder von Trostlosigkeit, Kälte und irgendwie auch die kranke Scham einer Neurose. Vielleicht weil hier das Wort ‘-rose’ enthalten ist. Eine Lektorin von mir las die Geschichte Korrektur. Sie musste weinen und ermahnte mich, dass die Erzählung eine Zumutung sei. Vielleicht verstecke ich mich genau aus dem Grund in der Anonymität.

sw: Wir werden sehen, was daraus entsteht. Vielen Dank für das kurze Gespräch! (1. Februar 2010)