Einzigartig macht es

den Stolz des Autors,

die Kreativität des

Visualisten.

Es ist Materie,

mit aufeinander folgenden

Seiten, eine gerade

und eine ungerade

mit Rythmus.

Es steht im Regal,

es hat einen Einband

und Farbe.

Es vereint Sinnlichkeit

mit gedanklicher Reise

in ferne Welten.

Anke Hartmann

Nicht nur die Frühjahrsbuchmesse macht Leipzig zu einem der bedeutenden Orte der Künste in Deutschland. Die altehrwürdige Universitätsstadt bringt wohl mit die meisten Kunstkreativen hervor, die das Land mit ihren Ein- und Ausdrücken erobern. Sie geschehen auch mit Anke Hartmann, Jahrgang ´86, ihres Zeichens Psychologiestudentin, Illustratorin, Malerin und Kunsthandwerkerin. Zu ihren Stationen zählen der Besuch der FREIEN GRAFIKSCHULE in Halle (Saale) und mehrere Kunstausstellungen, u.a. eine eigene mit dem Titel ‚Von der Geilheit sich am Hirn zu sägen‘. Ihr Leben widmet sie ihrem Freund Volly Tanner und ihrer gemeinsamen Tochter Laura, während sie ihre Welt gestaltet.

sw: Herzlichen Dank für Deine Bilder, Anke. Ich gebe zu: Pittiplatsch war mir sofort sympathisch. Nicht wegen dem, was er raucht. Eher durch seine tollpatschigen Geschichten, die ich als Kind des Ostens vom Sandmann erzählt bekommen habe. Ist der Joint eine rebellische Auflehnung gegen Verbote in der Kindheit? ah: Also an Verboten mangelte es in meiner Kindheit zwar nicht, aber meine Bildintention ging eher in die Richtung: Schade, dass man die Fantasie, welche man als Kind voll auslebte, als Erwachsener oft nur noch in Ausnahmefällen oder unter Rauschmitteln erleben kann. Was mich also beschäftigt hat, ist, dass die Macher des Abendgrußes, also die Menschen, hinter den Helden unserer Kindheit, Erwachsene sind, welche offenbar Ihrer ganz spezielle Sehnsucht nach Kindheit durch das Erschaffen von Pittiplatsch & Co. nachgegangen sind. Wir sehen in diesen Fantasiefiguren wiederum die heimlichen Begleiter unserer eigenen bereits vergangenen Kindheit, damals noch gleichgestellte Idole. Ich finde, wenn man einige Dinge im Leben auf diese Art betrachtet, wird einem vor Augen geführt, dass die Kluft zwischen Kindheit und Reife oft nur in unseren Köpfen existiert.

sw: Deine Bilder vermitteln alle ein doch märchenhaftes Flair. Hast Du Geschichten im Kopf, wenn Du malst? Oder entstehen die Bilder nach bereits bestehenden Erzählungen? ah: Ich versuche in meinen Bildern auf Symboliken zurückzugreifen, welche für unseren Kulturkreis omnipotent und langfristig Bestand haben können. Dies sind oft die Geschichten, Fantasiewesen, Vorstellungen und Verallgemeinerungen unserer Kindheit. Die Häschen, Pittiplatsch und Co. stehen symbolisch für unsere Ängste, Glauben, Hoffnungen, Triebe, Charakterzüge usw. wie dies auch in Märchen der Fall ist. Da ich Psychologiestudentin bin, arbeite ich zwangsläufig und, ich hoffe, relativ allgemeinverständlich in meinen Bildern mit diesen Symbolen.

sw: Was, glaubst Du, könnten bei stoffwechsel für Texte entstehen? ah: Ich hoffe auf Texte, die sich mit dem Innern, der Psyche, sprich den „Geheimen Gärten“ im Geist und in der Seele des Menschen befassen. Sehr schön fände ich Geschichten die Verborgenes offenbaren und dem Leser das Gefühl vermitteln, das Leben ist zwar verwirrend, aber Angst muss man dennoch nicht verspüren. Ergo: lebensbejahende Literatur!

sw: Du hast eine kleine Tochter. Ist sie eine Inspirationsquelle - vielleicht, weil Du lernst, mit ihren Augen zu sehen? ah: Ja, auf jeden Fall. Kinder geben einem natürlich die wunderbare Gelegenheit endlich wieder gesellschaftlich anerkannt spielen zu dürfen und sich auch über die sprichwörtliche Blume am Wegesrand freuen zu dürfen. Mit meiner Tochter entdecke ich jeden Tag die ganze Welt im Kleinen. Also den Makrokosmos im Mikrokosmos, wenn man das so ausdrücken darf.

sw: Wie kamst Du zur Illustration von Literatur?
ah: In meiner Grafik-Designer-Ausbildung war meine Abschlussarbeit eine Buchgestaltung. Und ist auch neben dem Freien Malen die gestalterische Tätigkeit, welche am ehesten meinem derzeitigen Wesen entspricht. Zurzeit arbeite ich als Illustratorin auch an einem Kinderbuch, mit einem Eichhörnchen als Titelhelden. Ich hoffe sehr, dass meine Fähigkeiten und mein Schaffen bei vielen Menschen Anklang finden.

sw: Vielen Dank für das kurze Gespräch, Anke!