Einzigartig macht es

den Stolz des Autors,

die Kreativität des

Visualisten.

Es ist Materie,

mit aufeinander folgenden

Seiten, eine gerade

und eine ungerade

mit Rythmus.

Es steht im Regal,

es hat einen Einband

und Farbe.

Es vereint Sinnlichkeit

mit gedanklicher Reise

in ferne Welten.

Andreas Stichmann

Andreas Stichmann *1983 in Bonn. Lebt in Hamburg. Kam über das Comiczeichnen zum Schreiben. Längere Aufenthalte in Südafrika und Iran, die auch in seine Erzählungen eingeflossen sind. Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Im September 2008 erschien der Erzählband »Jackie in Silber«, ausgezeichnet mit dem Clemens Brentano Preis 2009 und mit dem Stipendium des Literarischen Colloqiums Berlin. www.andreasstichmann.de

sw: Andreas, vielen Dank, dass Du Deine Erzählung ‘Alleinstehende Herren’ für stoffwechsel zur Verfügung stellst.  Man nennt Dich auch ‘Mister Tragikomik’ mit dem Clemens-Brentano-Preis 2009. Eine Ehre für Dich? Oder sind das nur ein paar Pressestimmen? as: Ja, tragikkomisch stimmt schon, obwohl der Begriff auch ziemlich verbraucht ist und auf ziemlich vielen Filmen und Büchern draufpappt. Ich mag Geschichten, die mehrdeutig sind; der Leser soll sich ja ein bisschen mit der Geschichte beschäftigen und nicht nur sagen: Aha, das ist jetzt traurig, oder: Aha, das ist jetzt komisch. Eine Geschichte vermittelt ja immer einen bestimmten Blick auf die Welt, und der ist bei mir eigentlich immer irgendwo zwischen tragisch und komisch; rein todernste Texte sind nichts für mich, ich möchte ja selber auch Spaß haben beim Schreiben.

sw: Den Aussagen Deines Verlages nach trifft der Leser  in Deinem Buch ‚Jackie in Silber’ auf eine junge Stimme und auf einen Blick, der sich abseits der begangenen Wege neu auf die Welt einlässt. Der Blick von Andreas Stichmann? Mit allen Tücken, die das Leben bereithält? as: In dem Buch geht es viel ums Scheitern; wobei dem Scheitern ja immer eine Idee von etwas vorrausgeht, dass sich dann als nicht erreichbar herausstellt, das interessiert mich eigentlich mehr als das Scheitern selbst. Ich mag Figuren, die sich Projekte vornehmen, die viel zu groß und glamourös für sie sind. Das macht sie sympathisch und menschlich für mich. Sie kämpfen um Anerkennung und Größe, suchen nach Liebe, Sex und Abenteuern, und auch wenn sie scheitern, bleiben sie für mich Helden, weil sie es eben immer wieder versuchen. Genügsame Figuren dagegen sind langweilig und erleben selten viel.

sw: ‚Alleinstehende Herren’ hat mich persönlich etwas an die Songs von PeterLicht erinnert. Vielleicht hab ich auch gerade die falsche Musik gehört… Aber anders: Welche Bilder hast Du bei Deinen Erzählungen im Kopf? as: Die Texte sind ja relativ unterschiedlich, aber im Großen und ganzen will ich mir beim Lesen und Schreiben eine Welt vorstellen, die eindeutig nicht-realistisch ist. Dass heißt, die Figuren sind verformt, die Beleuchtung ist irgendwie angedötscht… So wie das in Comics durch den Zeichenstil erreicht wird, funktioniert das in Büchern ja durch den Sprachgestus, durch den Ton, der ein und dasselbe Ding ganz unterschiedlich beleuchtet… Also, surrealistische und traumhafte  Wahrnehmungen; wobei es mir gleichzeitig wichtig ist, dass der Text sich immer noch mit einem Bein in der Realität befindet, so dass sich eine Spannung zwischen beiden Welten -Innen und Außen- ergibt.

sw: Wenn Du kein Schriftsteller geworden wärst. Welche Kunst hätte Dich dann gefesselt?
as: Comics.

sw: Wird es ein neues Buch von Dir geben?
as: Ist noch nicht spruchreif.

sw: Vielen Dank, Andreas! (3. November 2009)